Schwimmend auf der letzten Meile

"Hollands Glorie" hat die Rente vor Augen. Als das Boot vor 20 Jahren seinen Dienst aufnahm, war Wouter Post gerade sechs. Seit Jahresbeginn steuert er den Kahn täglich durch die Grachten Amsterdams und sorgt als Zustellkoordinator gemeinsam mit 21 Fahrradkurieren dafür, dass Express-Kunden im Herzen der niederländischen Metropole schnell, verlässlich und pünktlich ihre Sendungen erhalten.

In der Bauart unterscheidet sich das Boot kaum von den zahllosen anderen Ausflugskähnen, die an diesem sonnigen Frühlingsmorgen schon gut besetzt durch das weit verzweigte Kanalnetz schippern. Die Farbe jedoch ist anders. Gegen zehn Uhr ist deshalb reichlich Gelb und Rot am Koningsplein-Anleger zu sehen. Die Fahrradkuriere von DHL Express treten ihren Dienst an. Die Sendungen, die sie in den nächsten Stunden im näheren Umkreis der Amsterdamer Innenstadt ausliefern werden, hat "Hollands Glorie" hierher gebracht.

Kapitän und Problemlöser

"Das Boot liegt nachts etwas außerhalb der City", berichtet Nick Vork, der für den Betrieb des Express Services Centers in Amsterdam und damit auch das einzigartige Boot verantwortlich ist. Dorthin bringt ein Elektrotransporter morgens eine erste Ladung Sendungen, die zuvor am Flughafen Schiphol eingetroffen sind. Nachmittags folgt eine zweite.

Wouter Post lenkt den gelb-roten Kahn langsam, aber schon ziemlich routiniert durch die Grachten und unter den engen Brücken hindurch. Zwei Mal täglich pendelt er oder einer der beiden anderen Zustellkoordinatoren zwischen dem Anleger außerhalb des Stadtzentrums und dem Koningsplein. Liegt "Hollands Glorie" vor Anker, versucht er in erster Linie, während des Zustellbetriebs auftretende Probleme schnell zu lösen oder kümmert sich um Anrufe von Kunden und Kurieren.

Für sie ist die gern als multimodal bezeichnete Lieferkette aus Elektrotransporter, Boot und Fahrrad ein echter Segen. "In der Innenstadt mit dem Auto zuzustellen, wäre kein besonders großes Vergnügen", berichtet Vork. Enge Straßen, dichter Verkehr, zahllose Rad- und Motorroller-Fahrer und nur wenige Parkmöglichkeiten sind die spürbarsten Zeitfresser. "Wir würden vielleicht fünf oder sechs Lieferadressen pro Stunde ansteuern können", so Vork. Mit dem Rad seien es in der Spitze bis zu 17.

"Onlinehandel hat unseren Job verändert"

Dennis Romkes ist einer der Kuriere, die morgens den gelben Container an ihrem Fahrrad beladen. In den nächsten Stunden werden er und seine Kollegen vor allem Geschäftsadressen ansteuern. Erst im Laufe des Tages und vor allem während der Abendschicht zwischen 18 und 21 Uhr werden dann immer mehr Sendungen an Privatkunden verteilt. "Durch den Onlinehandel hat sich unser Job schon spürbar verändert. Das Geschäft boomt", sagt Romkes, der vor zwei Jahren aus Büros der Finanzbranche aufs Fahrrad von DHL Express wechselte. "Ich habe damals oft 60 Stunden pro Woche gearbeitet", erzählt er. Durch den Job bei DHL habe ich mich von dem Stress erholt. Es macht eine Menge Spaß, jeden Tag so viele Menschen zu treffen und ihnen oft auch noch eine Freude zu machen, wenn wir ein Paket abliefern."

Ab 2018 elektrisch

Dabei helfen soll dann auch ein neues Boot, dass "Hollands Glorie" im kommenden Jahr ablösen soll. "Dieses Boot wird dann einen elektrischen Antrieb haben", erklärt Marijn Slabbekoorn, der bei DHL Express in den Niederlanden unter anderem für das Thema GoGreen zuständig ist. "Laut einer Verordnung soll die Innenstadt von Amsterdam bis 2025 komplett emissionsfrei werden. Wir wollen unseren Teil dazu schon früher beitragen. Mit dem neuen Boot schaffen wir das."

Wouter Post hat aber auch Gefallen an der betagten "Hollands Glorie" gefunden. "Mein Job macht viel Spaß", sagt der 26-Jährige. "Ich hatte bisher kaum Erfahrung mit Booten. Inzwischen denke ich sogar darüber nach, mir selbst eins zuzulegen." Und genau wie er, wollen auch die vielen Express-Kunden in Amsterdams Innenstadt sicher nicht mehr auf das schwimmende Servicecenter verzichten.

Floating Service Center